Interview mit Anja Beran

von Victoria Leipert

Foto: Maresa Mader

Foto: Maresa Mader

Anja Beran bildet auf Gut Rosenhof im Allgäu Pferde nach klassischen Grundsätzen aus – von den ersten Schritten an der Longe bis zu den Lektionen der Hohen Schule. Mit Respekt und Gefühl werden hier junge Pferde an ihre Aufgabe als feine und zuverlässige Partner des Menschen herangeführt. Anja Beran schöpft bei ihrer Arbeit aus dem Wissen alter Reitmeister wie Udo Bürger, Gustav Steinbrecht oder Kurt Albrecht. Im Gespräch mit der Natural Horse-Redakteurin Victoria Leipert erläutert
die Ausbilderin und Buchautorin, warum in der Arbeit mit jungen Pferden jedes von ihnen individuell betrachtet werden muss – und warum die klassische Dressur immer die Basis bilden sollte.

NH – Natural Horse, B – Anja Beran

NH: Was läuft dann beispielsweise in der Ausbildung mit einem jungen Pferd, das langsamer und schwerfälliger reagiert, anders?

B: Das ist relativ einfach: Das phlegmatische, schwerere Pferd muss motiviert werden und muss entsprechend seiner körperlichen Voraussetzung, weil es etwas massiger ist, eher kürzer arbeiten. Man sollte es schaffen, dass ein solches Pferd Freude am Gang und der Bewegung entwickelt und es niemals arbeiten, bis es ermüdet! Auf diese Weise bekommt man ein phlegmatisches Pferd etwas feiner.  Wohingegen man ein zu sensibles Pferd, das eher wegstürmt, beruhigen muss. Die klassische Reitkunst schafft immer den Ausgleich, sodass das Pferd nachher angenehm wird. Deswegen kann ich auch nicht mit jedem Pferd das Gleiche machen: Der Schwarzwälder will sich gar nicht mehr bewegen, wenn ich ihn erst eine halbe Stunde ablongiere und ermüde. Wenn ich ein heißblütiges Pferd flott rennen lasse, wird es jeden Tag noch flotter. Ich muss also immer schauen, dass ich für jedes Pferd das richtige Konzept finde.

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Das Pferd ist ein Individuum – gerade in der Ausbildung“ in Natural Horse 02/2016

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