— mehr als nur ein Schönheitsfleck

von Dr. Christina Fritz

Jeder Pferdebesitzer bewundert die Schönheit dieser „Kinder des Windes“. Das seidige Fell, die weichen Nüstern, die großen, ausdrucksvollen Augen. Umso größer der Schock, wenn plötzlich unerwünschte Wucherungen unseren Liebling verschandeln. Sarkoide, die früher auch als Warzen bezeichnet wurden, sehen nicht nur unschön aus. Entstehen sie im Bereich der Sattel- oder Gurtlage, zwischen den Hinterbeinen oder am Kopf, können sie auch extrem stören und häufig werden es mit der Zeit immer mehr.

Schon im frühen 19. Jahrhundert waren Warzen bei den Haustieren bekannt. Johann Nicolaus Hohlweg beschrieb 1802 in seinem „Allgemeinen Vieharzneibuch“ sowohl trockene als auch feuchte Warzen beim Pferd. Die Therapie bestand damals daraus, trockene Warzen abzubinden, bis sie abfallen, und nässende Warzen auszuschneiden und die Wunde mit glühendem Eisen auszubrennen. Aus heutiger Sicht brutale Methoden. 1936 wurde erstmals das „Equine Sarkoid“ als Hauttumor beschrieben. Nach Untersuchungen weisen etwa zwölf Prozent der Pferdepopulation Sarkoide auf, wobei nur wenige davon in der Klinik vorstellig werden. Dann meist nur, weil die Sarkoide in der Größe oder durch ihre Lage so problematisch sind, dass man sie behandeln muss. Viele Pferde entwickeln irgendwann ein kleines Sarkoid, das dann sein Wachstum einstellt und ein Leben lang keine weiteren Probleme machen muss (außer dass es von vielen Besitzern als „Schönheitsfehler“ angesehen wird). Manchmal fällt es auch nach einer Weile von alleine ab, ohne dass man etwas dagegen unternommen hätte. Andere hingegen wachsen weiter oder es bilden sich immer neue an verschiedenen Stellen, sodass das Pferd und auch der Reiter die Sarkoide als deutliche Einschränkung der Lebensqualität wahrnehmen. Besonders häufig betroffen sind der Kopf, die Unterseite des Rumpfes, die Genitalregion sowie die Beine. Und nicht nur Pferde sind betroffen. Sarkoide wurden auch schon beschrieben bei Zebras, Maultieren und Eseln, also allen Tierarten, die der Familie der Pferde zugerechnet werden.

Sarkoide sind (meist) harmlose Tumore 

Sarkoide gehören zu den Tumorerkrankungen beim Pferd. Darunter versteht man krankhafte Gewebezubildungen, die meist durch übermäßige Teilung bestimmter Zellen in dem Bereich entstehen. Im Fall von Sarkoiden findet man entartete fibroblastische und epitheliale Zellen, deshalb werden sie den Hauttumoren zugeordnet. Bei Tumoren unterscheidet man allgemein „gutartige“, welche lokal bleiben, von „bösartigen“, welche Zellen abgeben, die sich dann in anderen Bereichen des Körpers festsetzen und dort neue Tumore bilden können (Metastasen). Hauttumore stellen mit etwa 50 Prozent der Fälle die häufigsten Tumore bei Pferden, wobei innerhalb dieser Gruppe die Sarkoide mit etwa 90 Prozent deutlich am stärksten vertreten sind. Sarkoide gehören zu den gutartigen Tumoren, die nicht metastasieren, allerdings können sie nicht nur die Haut und die Unterhaut, sondern auch das darunterliegende Muskelgewebe infiltrieren, was eine chirurgische Entfernung oft auch schwierig macht. …

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Sarkoide beim Pferd“ in Natural Horse Ausgabe 01/2021

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