durch den ausbalancierten Sitz

von Silja Schießwohl

Der Traum eines jeden Reiters ist die magnetische Verbindung mit seinem Pferd durch den entspannten und funktionalen Sitz. Dazu gehört auch eine dementsprechende Sitzschulung. Wenn von Sitzschulung die Rede ist, denken wir oft sofort an Longenstunden und eine Verbesserung der „äußeren Form“. Doch wenn wir mit dem Pferd wirklich in einen Dialog treten und eins werden wollen, braucht es mehr: eine Verbindung zwischen Reiter und Pferd, die in erster Linie aus einem funktionalen Sitz heraus entsteht und unsichtbare Hilfengebung möglich macht.

Pferd und Reiter sprechen nun mal nicht die gleiche Sprache und dennoch ist dieser Einklang möglich. Zwei Körper unterschiedlicher Lebewesen kommen in ein gemeinsames Gleichgewicht. Ein Dialog auf Basis der Bewegung wird möglich. Ich persönlich schätze das Wort „Bewegungsdialog“ in diesem Zusammenhang sehr. Es ist oft nicht so ganz einfach, ein Gefühl mit Worten zu beschreiben, aber dennoch spiegeln Formulierungen wie „zu einer Einheit werden“ oder „den Einklang finden“ genau diesen Flowzustand wider. Doch neben allen Formulierungen, die wir uns zur Beschreibung dieses Zustandes bereits zurechtgelegt haben, wird dieses Gefühl der Verbindung zwischen Reiter und Pferd vielleicht dadurch greifbar: Es ist wie eine magnetische Anziehungskraft, die beide miteinander verschmelzen lässt. „Magnetisch“ bedeutet in diesem Kontext demnach keine statische Verbindung, sondern ein Verschmelzen in gemeinsame Bewegungsmuster. Wer diesen Zustand der magnetischen Verbindung und daraus resultierenden Leichtigkeit des Reitens schon einmal erlebt hat, kennt den damit verbundenen Suchtfaktor. 

Wie erreicht man diese „magnetische Verbindung“?

Wir müssen uns verabschieden von der reinen „Schablonen-Reiterei“, also der ausschließlichen Orientierung an den äußeren Merkmalen eines guten Sitzes. Anweisungen wie „Absätze tief“, „Zehenspitzen zum Pferd hindrehen“ oder „Schultern zurück“ haben häufig zwar eine gut gemeinte Absicht, rufen aber problematische Bewegungsmuster hervor. Der Reiter verspannt sich, versucht unter Anspannung, dieser „Schablone“ gerecht zu werden. Die Suche nach der Leichtigkeit endet hier in einer Sackgasse. Es ist doch paradox, dass wir versuchen, Leichtigkeit und ein positives Gefühl im Sattel mit Anspannung und Verkrampfung herzustellen. Das ist, als wenn wir versuchen würden, an nichts zu denken, und vor lauter Anstrengung erst recht ins Gedankenkarussell geraten. Bestes Beispiel: Denken Sie nicht an einen rosa Elefanten. Was passiert? Man denkt unweigerlich an den rosa Elefanten. Auf körperlicher Ebene handelt es sich um das gleiche Phänomen. …

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Die magnetische Verbindung“ in Natural Horse Ausgabe 01/2021

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