Gesundheitsvorsorge mithilfe des Meridianabstreifens

von Martina Kiss

Jeder Pferdebesitzer wünscht sich ein gesundes Pferd. Aber gerade in unserer heutigen Zeit zählen Tierärzte zu den Berufsgruppen, die in Reitställen am meisten beschäftigt sind. Was also, wenn das Pferd krank wird? Es wird oft viel Geld ausgegeben, wenn der Tierarzt kommen muss. Dabei kann man viel tun, damit man sein Pferd auf Dauer gesund erhält. Schon das normale Putzen trägt viel zur Gesundheit bei – und einen Schritt weiter das energetische Putzen, das ebenso leicht wie unkompliziert erlernbar ist. Aber was ist das energetische Putzen überhaupt?

Laut den Lehren der traditionellen chinesischen Medizin werden chinesische Ärzte nur bezahlt, wenn sie den Patienten gesund erhalten. Im Gegensatz dazu stehen die Lehren der westlichen Medizin, bei der der Patient zum Arzt kommt, wenn er krank ist.

Legt man dieses System auf das Pferd in unseren Breiten um, heißt das, dass der Tierarzt gerufen wird, wenn das Pferd krank ist. Dabei sieht oder fühlt man oft schon Tage oder Wochen vorher, dass etwas mit dem geliebten Vierbeiner nicht stimmt. Um Erkrankungen vorzubeugen, kann man als Pferdemensch schon sehr viel tun. Es beginnt beim täglichen Putzen. Beim Putzen werden die Durchblutung und die diversen Stoffwechsel im Körper angeregt. Will man seinem Pferd aber noch mehr Wohlbefinden verschaffen, lohnt sich ein Blick über den Tellerrand zur chinesischen Medizin.

Blockierung eines Meridians

In der chinesischen Medizin drücken sich Krankheiten im Vorfeld als Energiestauungen im Gewebe, den Organen und in den Meridianen aus. Wenn ein Meridian blockiert ist, kann keine (oder nur wenig) Energie durch ihn fließen und der Körper wird in weiterer Folge nicht gut genug versorgt. Das wirkt sich bei Mensch und Tier gleich aus. Und es ist eine Kettenreaktion, denn ist ein Meridian blockiert, blockiert nach und nach jeder andere Meridian. Der Endeffekt ist, dass das Pferd erkrankt. Das kann binnen Wochen geschehen oder es kann Monate dauern. Um das Pferd gesund zu erhalten, sollte man schon im Vorfeld beim gesunden Pferd beginnen, damit keine körperlichen Imbalancen entstehen. Eine Variante ist das energetische Putzen.

Energetisches Putzen

Ein Pferd zu putzen lernen wir alle noch vor der ersten Reitstunde. Das energetische Putzen ist – vereinfacht gesagt – ein Abstreifen in Richtung der Meridianlinien. Man beginnt zwischen den Nüstern, fährt über den Nasenrücken zwischen den Ohren, eine Handbreit neben dem Mähnenkamm über den Rücken Richtung Schweifrübe die Hinterhand hinunter, weiter über die Bauchseite, den Hals hinauf, die Ganasche entlang zu den Nüstern – und das auf beiden Körperseiten. Beim energetischen Putzen unterscheidet man zwischen dem kleinen Kreislauf (KKL) und dem großen Kreislauf (GKL). Beim großen Kreislauf bezieht man die Beine mit ein, wobei man an der Außenseite derselben hinunter- und an der Innenseite hinauffährt. Auch die Hufe werden beim GKL mitgearbeitet: an der Außenseite vom Ballen bis zur Spitze und an der Innenseite von der Spitze nach hinten zum Ballen. Das ist eine vereinfachte Darstellung, die allerdings eine Erklärung braucht und einen kleinen Exkurs in die Chinesische Medizin. Beide Kreisläufe haben sich schon bei schweren osteopathischen Blockaden und allgemeiner Energielehre bewährt.

Kleiner Kreislauf  (KKL)

Unser Körper ist durchzogen von Energiebahnen, den Meridianen. Fährt man mit den Fingern oder mit einem Stäbchen die Energiebahnen ab, kann man die Energie im Fluss halten. Mit dem sogenannten kleinen Kreislauf (KKL) kann der Mensch den Kreis des Energieflusses schließen. Der kleine Kreislauf (KKL) besteht aus dem Konzeptionsgefäß und dem Gouverneursgefäß. Diese beiden sind die wichtigste Energiebahnen bei Mensch und Tier. Beide werden beginnend zwischen Nüstern oder zwischen Schlauch/Euter gezogen – je nachdem wie sich das Pferd entspannter gibt. Der KKL ist besonders bei allgemeiner Schwäche nützlich, kann aber auch bei folgenden Problemen wirken:

  • Becken: Blasenentzündungen
  • Bauch: Magen- und Darmproblemen in der Körpermitte
  • Brust: Atemproblemen, Husten, funktionellen Herzproblemen
  • Hals: Kehlkopfentzündungen
  • Psyche

Wichtig! Zieht man den KKL, kann den Beinen Energie entzogen werden.

Mit dem KKL können kleinere Energieimbalancen ausgeglichen werden. In der Praxis sieht es folgendermaßen aus: Am besten arbeitet man mit beiden Händen, wobei (auch um den energetischen Kreis zu schließen) eine Hand am Genick oder Hinterhauptsbein liegt. Mit einer Hand streicht man von der Mitte der Nüstern über den Nasenrücken zwischen den Ohren. Gelangt man am Genickpunkt an, wechselt man von einer zur anderen Hand und fährt vom Genick mit der Hand den Mähnenkamm und den Widerrist. Weiter geht es über den Rücken Richtung Schweifrübe, wobei hier die zweite Hand auf den Widerrist gelegt wird. Man steht nun seitlich vom Pferd und hat eine Hand am Widerrist und die zweite Hand an der Kruppe. Dann wird der KKL am Bauch zwischen den Beinen von Schlauch/ Euter über die Bauchmitte zwischen den Vorderbeinen den Hals hinauf bis zur Unterlippe fortgesetzt. So schließt sich der Kreislauf. Wichtig ist immer, dass sich beide Hände aufeinander zubewegen. Da manche Pferde kopfscheu sind, kann man auch am Schlauch/ Euter beginnen.

Großer Kreislauf (GKL)

Der Große Kreislauf (GKL) ist eine Akupressurmethode bei der alle Meridiane sowie die beiden Sondermeridiane, Gouverneursgefäß und Zentralgefäß angeregt werden. Er ist hervorragend als Gesundheitsvorsorge geeignet, damit sich Blockierungen im Energiesystem nicht festsetzen können. Der GKL kann bei folgenden Problemen hilfreich sein:

  • Taktunreinheiten
  • Blockierungen im Bereich des Sakrums
  • Blockierungen des Illiosakralgelenks (ISG)
  • Wiederkehrende Beckenschiefstellungen
  • Kastrationsnarbenentstörungen

Wichtig! Der GKL regt den Energiefluß sehr an. Achten Sie auf die Reaktionen des Pferdes, wie Schweifschlagen oder andere Abwehrbewegungen. Gehen Sie nur soweit, soweit das Pferd es zulässt!

Vor allem bei Pferden die gerne auf die Vorderhand fallen, hat sich eine regelmäßige Behandlung mit dem GKL bewährt. Energetisch werden die Meridiane der Hinterhand (Leber-, Milz/Pankreas-, Nieren-, Blasen-, Gallenblasen- und Magen, sowie die beiden Sondermeridiane – Gouverneurs- und Zentralgefäß) aktiviert und der Beckenraum stärker energetisiert. Dadurch neigen die Pferde weniger dazu „auseinander zu fallen“. Unter dem Sattel wölbt sich der Rücken mehr auf und die Hinterhand wird aktiver unter den Körper gesetzt.

In der Praxis wird der GKL so wie der KKL gezogen, aber die Beine beziehungsweise Extemitäten werden hinzugenommen. Auch hier arbeiten beide Hände wieder zusammen, eine verwahrend, die andere aktiv streichend.

Vorderbeine:

Eine Hand liegt auf der dorsalen Seite des Vorderbeinansatzes, die andere streicht mit der ganzen Handfläche vom Kronrand nach oben auf die andere Hand zu. Diese Bewegung sollte ein paar Mal wiederholt werden. Dann liegt eine Hand auf der Hufballenseite, die andere Hand streicht mit der ganzen Handfläche vom Ellenbogen an nach unten in Richtung Huf. Ebenso sollte diese Bewegung mehrmals wiederholt werden.

 

Hinterbeine:

Hier wird an der Bein-Außenseite  vom Oberschenkel in Richtung Huf gestrichen, auf der Hufinnenseite in Richtung der Genitalien. Dabei liegt die zweite verwahrende Hand beim Abwärtsstreichen auf dem Kronrand und beim Aufwärtsstreichen auf der Innenseite des Oberschenkels.

Gerade das Abstreichen der Beine hat sich nach langen Ausritten, Schlägen oder Verstauchungen oder bei schlechter Koordination oder Durchblutungsstörungen sehr bewährt. Baut man dieses Meridianabstreifen regelmäßig in den Tagesablauf seines Pferdes ein, hat das nicht nur einen körperlichen Wohlfühleffekt. Pferd und Mensch erleben eine innigere Beziehung zueinander.  

Quellen:

KKL – Walter Salomon/ Die energetische Behandlung des Pferdes/ Sonntag Verlag

KKL und GKL – Christina Fritz/ Kinesiologie am Pferd/ Sonntag Verlag

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