Engel auf vier Hufen

von Jennifer Becker

Pferde nehmen uns unsere Anspannung und heilen unsere inneren Wunden, verändern unsere Perspektiven und geben uns geduldig immer wieder ihr Feedback. Wenn wir bereit sind, ihre Botschaft anzunehmen, können wir uns in unserer Persönlichkeit entwickeln. Jeden Tag aufs Neue.

Während die Pferde in der Hippotherapie, Reittherapie und diversen heilpädagogischen Konzepten ihre Emotionen oft nicht oder nur begrenzt ausagieren dürfen, ist das bei Pferden, die in der pferdegestützten Psychotherapie eingesetzt werden, sogar erwünscht. Bei dieser Therapieform werden die Pferde in Freiarbeit und Bodenarbeit am Leitseil eingesetzt; geritten wird in der Regel nicht. Die Pferde sollen Energie, Anspannung und Druck des Menschen mit deutlich wahrnehmbarer Körpersprache spiegeln, aber in einem kontrollierten und ungefährlichen Rahmen, denn die Klienten dürfen experimentieren. Nehmen wir einmal folgendes Beispiel für ein Therapiesetting: Der Klient bekommt die Aufgabe, einen Trailparcours aus verschiedenen ihm zur Verfügung gestellten Materialien zu gestalten. Dieser Parcours soll symbolisch für seine momentane Lebenssituation stehen. Die wenigsten Klienten sind Pferdeexperten, aber auch sie erschaffen mitunter sehr interessante Gebilde, die auf den ersten Blick für ein Pferd unüberwindbar oder undurchführbar scheinen. Das Pferd wird in irgendeiner Form auf die Situation und auf die oft unkonventionellen Signale reagieren. Es entstehen Momente, die wir gut therapeutisch nutzen können. Für ein Pferd allerdings, das seelisch nicht oder nicht genügend gefestigt ist, kann die Situation stark verunsichernd wirken. Pferde, die in diesem Bereich eingesetzt werden, sollten selbstbewusst genug sein, für sich selbst eine gute Lösung zu finden. Sie sollten aber auch die Bereitschaft zeigen, Veränderungen, die der Klient unternimmt, wahrzunehmen und widerzuspiegeln. Das erfordert von den Pferden maximale Konzentration und Flexibilität und eine vertrauensvolle positive Einstellung zum Menschen. …

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Pferde als Co-Therapeuten“ in Natural Horse Ausgabe 03/2020

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