Spaziergang mit dem Pferd

von Lisa Kittler

Foto: Lisa Kittler

Foto: Lisa Kittler

Sobald der Wallach den Platz oder die Halle betrat, erstarrte er förmlich. Das Pferd verspannte seine gesamte Muskulatur, atmete nur noch stoßweise und nahm seine Umwelt nicht mehr wahr. Seine zuvor durchlaufene Ausbildung war nicht pferdegerecht gestaltet. Die Besitzerin war lange Zeit verzweifelt, da keiner ihrer vielen Versuche Besserung brachte. Nachdem sie von einem Mann gelesen hatte, der mit seinem Pferd kilometerweit durch Deutschland wanderte, wagte sie noch einen letzten Versuch. Die Besitzerin tastete sich langsam an kleine Geländeausflüge mit ihrem traumatisierten Wallach heran. Durch den neuen Zugang zum Pferd erstarrte dieses nicht mehr zur Salzsäule, sondern lief motiviert und interessiert neben ihr her.  Das ließ sich mit der Zeit auch auf das Training im Viereck übertragen.

Beziehungsarbeit auf Feld und Flur

Pferd und Mensch lernen durch das gemeinsame Erleben von vielen unterschiedlichen Umwelteinflüssen beim Durchwandern von Feld und Flur verlässliche und sichere Partner zu werden. Schaffen sie es, zusammen an dem laut knatternden Traktor vorbeizukommen, über eine luftige Brücke zu gehen oder durch ein Dorf, in dem Trubel herrscht, zu marschieren, ist auch der nächste Schreckmoment auf dem Reitplatz oder in der Halle sicherlich nicht mehr so bedrohlich. Ein „sicherer Fels in der Brandung“ ist ja da. Und auch der erste gemeinsame Ausritt wird mit dieser zuvor erarbeiteten Grundsicherheit sowie Gelassenheit von Mensch und Pferd kein abenteuerliches Wagnis werden, sondern ein schönes Erlebnis.

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Entwicklung für Körper und Geist“ in Natural Horse 01/2016

Weitere Artikel in der gleichen Ausgabe