… das Seelenpferd

Gedanken von Raimund Kniffki

Foto: Martina Kiss

Foto: Martina Kiss

Du nimmst also dieses Pferd mit nach Hause (in seltenen Fällen ist es ein selbst gezüchtetes Pferd) und freust dich wie ein Kind. Du bist glücklich, dein Pferd gefunden zu haben, und beginnst nach einer Eingewöhnungsphase, mit dem Pferd zu „arbeiten“, wie du das bisher immer gemacht hast, wie es dir geraten wird und wie es üblich ist. Am Anfang ist alles toll. Das Pferd ist entspannt und locker. Das Reiten macht Spaß. Ihr macht Ausritte und ein wenig Dressurarbeit im Viereck. Alles gut.

Irgendwann fängt es an zu buckeln, zu steigen und draußen ständig umzudrehen, nicht mehr vorwärtszuwollen, und selbst ein Sandhaufen mutiert zum Säbelzahntiger. Du erkennst, dass du ein Problem hast. Das fühlst du aber schon sehr viel früher, als es dir wirklich bewusst wird. Es entstehen in dir frühzeitig Gefühle wie Hilflosigkeit, Verzweiflung, Ohnmacht, die du aber noch nicht wahrnimmst. Du nimmst den Kampf auf. Manchmal passiert eine Kleinigkeit, manchmal auch ein schlimmes Ereignis. Aber es wird einen Punkt geben, wo dir bewusst wird, dass dein System, deine Methoden und deine Mittel, die du dir im Laufe deines Pferdelebens angeeignet hast, nicht funktionieren.

Vielleicht willst du es dir selbst gegenüber nicht zugeben, aber du weißt, dass es so ist. Aber du möchtest dein Gesicht vor den anderen Einstellern nicht verlieren und um Hilfe bitten. Du weißt nicht, wer dir helfen könnte. Du traust dich nicht, über dein Problem mit deinem Pferd zu sprechen, denn du befürchtest, ausgelacht zu werden. Das steigert die gefühlte Ohnmacht, und es gibt einen Punkt, wo sie so mächtig wird, dass es dir die Brust einschnürt, Tränen fließen und ein Kloß im Hals sitzt. Du fühlst dich klein und wirst vielleicht auch echt sauer! Aber auf wen eigentlich, wenn dein Pferd dein Spiegel ist?

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Dieses eine Pferd … das Seelenpferd“ in Natural Horse 03/2016

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