Signale erkennen und verstehen

von Dr. Christina Fritz

Foto: Christiane Slawik

Foto: Christiane Slawik

Als Fluchttiere haben Pferde in der Evolution gelernt, leise zu sein, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Wildpferde hört man praktisch nie wiehern – außer wenn die Hengste miteinander kämpfen. Die einzigen Laute, die sie in der Regel von sich geben, sind vielleicht mal ein leises Brummeln untereinander oder ein verhaltener Ruf einer Stute nach ihrem trödelnden Fohlen. Ihre eigentliche Sprache ist die Körpersprache und Mimik. Jeder Pferdebesitzer weiß natürlich, dass angelegte Ohren und gebleckte Zähne Aggression bedeuten. Reagiert ein Pferd aber so extrem, dann ist das vergleichbar mit einem Menschen, der vor uns auf und ab springt, mit den Armen fuchtelt und laut schreit, um uns zu sagen, dass er uns nicht mag.

Bei Pferden, die als Absetzer gekauft werden und nicht in eine Aufzuchtgruppe kommen, sondern in einen Reitstall mit limitiertem Sozialkontakt zu anderen Pferden, beobachtet man das oft. Sie haben vor allem den Menschen als Bezugslebewesen und hungern regelrecht nach seiner Aufmerksamkeit. Sie werden in ihrem Verhalten alles tun, um mit dem Menschen zu kommunizieren.

Man erkennt sehr schnell verschiedene Gesichtsausdrücke bei den einzelnen Pferden und dass sie mit ihrer Haltung, mit Ohren, Schweif, Kopfhaltung und Mimik ständig miteinander in Kommunikation sind. So signalisiert ein Pferd, das auf ein anderes zugeht, mit einem kurzen Ohr-nach-hinten-Schnicken, zusammen mit einem Blick aus dem Augenwinkel oder einem schnellen Schweifschlag und einem Kopfschlenkern in die Richtung des anderen: „Hey, geh weg, das ist mein Platz!“ – und der andere wird tunlichst ausweichen.

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Die Sprache der Pferde“ in Natural Horse 03/2016

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