–  mehr als nur ein Hufproblem

von Dr. Christina Fritz

Der Huf des Pferdes ist ein Wunderwerk der Natur. Er ist hart und widerstandsfähig gegen den Boden, er federt Erschütterungen ab und kann sich an trockene und feuchte, harte und weiche Böden anpassen, je nach Anforde­rung. Die harte Hornkapsel schützt den Huf nach außen und bildet den Tragrand, auf dem das Gewicht des Pferdes ruht. Der Strahl bildet zusammen mit dem weicheren Soh­lenhorn den Abschluss des Hufs zum Boden hin. Die Sohle des Hufs ist erstaunlich sensibel. Das kann man beobach­ten, wenn Pferde mit den Hufen zunächst den Boden oder ein Hindernis prüfen, bevor sie ihr Gewicht darauf verla­gern. Hufhorn ist zwar nicht innerviert wie die Haut, aber dennoch lebendes Gewebe in dem Sinn, dass es ständig neu gebildet und in seiner Form und Härte den Beanspru­chungen laufend angepasst wird. Zwischen dem Strahl und dem Hufrolleapparat des Hufs liegt das Hufkissen, ein schwammartiges Gewebe, das als Counterpart zum Herzen dient und daran beteiligt ist, das venöse Blut wieder in Richtung Herz zu pumpen. Ein gesunder Huf ist sehr gut durchblutet. Das ist notwen­dig für die Hornbildung und damit eine stabile Blättchen­schicht aufgebaut werden kann. An dieser „weißen Linie“ ist das lebende Gewebe (Lederhaut) verbunden mit dem abgestorbenen Gewebe (Hufhorn) und der Pferdefuß ist darüber federnd in der Hornkapsel aufgehängt. Im Kapil­larbett der Lederhaut entsteht ein hoher Druck in den Blutgefäßen. Gleichzeitig sind Kapillarwände sehr durch­lässig. Das erlaubt den Durchtritt von Nährstoffen vom Blutstrom in das Gewebe, um die Zellen hier zu versorgen und gleichzeitig Abfallstoffe abzutransportieren. Mit dem Blutstrom kommen auch die weißen Blutkörperchen des Immunsystems in den Huf, die dafür sorgen, pathogene (krank machende) Keime abzuwehren. Fäulniskeime lösen Strahlfäule aus Pferde bewegen sich natürlich nicht in keimfreier Umge­bung. Sie sind ständig dem Einfluss von Mikroorganismen ausgesetzt, und der Körper hat sich im Lauf der Evolu­tion Abwehrmechanismen zugelegt, um damit umzuge­hen, ohne krank zu werden. Wildpferde bewegen sich ste­tig vorwärts. Sie weiden in einer Region, hinterlassen Mist und Urin und ziehen weiter. Bis sie in dieselbe Weideregi­on zurückkommen, sind die Hinterlassenschaften verrottet und haben die Pflanzen dort gedüngt für einen neuen Auf­wuchs. So kann es nicht zu einer massiven Akkumulation von pathogenen Keimen kommen. …

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Stahlfäule“ in Natural Horse Ausgabe 01/2020

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