Ursachen, Hintergründe & Management überbeweglicher Gelenke

von Ellen Wolff

Beim Menschen ist Hypermobilität eine vererbbare Funktionsstörung des Bindegewebes, es kommt familiär gehäuft vor. Es ist ein Defekt, der vor allem die Kollagenfasern betrifft. Dadurch entsteht unter anderem die so typische pathologische Überbeweglichkeit der Gelenke, aber auch viele andere Störungen können im Körper auftreten und zu einem Hypermobilitätssyndrom (kurz HMS) führen. Da mittlerweile über das Bindegewebe und die Faszien sehr viel bekannt wurde, profitiert auch die HM im Humanbereich davon und kommt immer mehr aus ihrem Schattendasein heraus. Lange war dieses Problem in der Medizin zwar bekannt, spielte aber nur eine geringe Rolle und Betroffene wurden belächelt oder, schlimmer noch, ihre überdurchschnittliche Beweglichkeit wurde als positiv angesehen. Viele Patienten haben einen Ärztemarathon hinter sich auf der Suche nach Erklärungen für Schmerzen in Gelenken und ganzen Körperabschnitten, Schwäche der Muskulatur, Erschöpfungszustände und auch neurologische, internistische und gynäkologische Beschwerden. Dabei gibt es einen einfachen Test, um fest-zustellen, ob ein Mensch hypermobil ist oder nicht – der Beighton Score. Hierbei werden verschiedene Gelenke nach einem Punktesystem auf überdurchschnittliche Beweglichkeit getestet.

Vom Menschen zum Pferd

Wenn man die Erkenntnisse aus dem Humanbereich auf das Tier/Pferd überträgt, landet man auf der Suche nach der Ursache unweigerlich in der Zucht. Ein instabiles Pferd entsteht aus dem Wunsch nach einem bewegungsstarken, eleganten Pferd, das leicht zu handhaben sein soll. Kreuzt man immer wieder untereinander die bewegungsstärksten Pferde ohne Rücksicht auf ein festes Fundament, einen stabilen Rumpf, eine tragfähige Hinterhand (HH) und verändert die Statik der Pferde in ein Hochkantrechteck für lange Beine, um der Eleganz mehr Spielraum zu geben, dann muss man sich nicht wundern, wenn man rasseübergreifend vermehrt hypermobile Pferde findet. Diese haben oft sehr unterschiedliche, aber durchaus auf einen Nenner zu bringende Symptome. Für Pferde gibt es keine Einteilung wie den Beighton Score oder die Brighton Criteria. Beispiele aus Verkaufsanzeigen: Hat viel Gummi und Tritt, ist sehr weich zu sitzen, leicht an der Hand, überdurchschnittliche GGA, viel Schwung, hochweite Bewegungen, elegant. Das sind Aussagen, die heutzutage als gute Zuchtziele angepriesen werden. …

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Hypermobilität beim Pferd“ in Natural Horse Ausgabe 03/2020

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