Ein Leben mit anderen Sinnen

von Rabea Müller

Foto: Rabea Müller

Empörung, Faszination, Skepsis, Respekt: eine Vielzahl von Emotionen, die meine Stute Alizee bei den Menschen auslöst. Den Grund kann ich in einem kurzen Satz benennen, doch für uns hat es alles verändert. Denn Alizee ist blind. Oft macht uns Menschen die Dunkelheit Angst, denn sie nimmt uns einen Sinn, auf den wir uns wohl am meisten verlassen: das Sehen. Doch was kann das für ein Fluchttier, ein Pferd, bedeuten? Lassen Sie sich auf einen kleinen Ausflug in die faszinierende Welt eines blinden Pferdes einladen, denn hinter diesem Handicap steckt viel mehr, als man zunächst erwartet.

Ob eine Erblindung plötzlich oder schleichend eintritt, hängt vor allem von der Ursache ab – und Ursachen gibt es sehr viele. Die bekannteste Erkrankung ist aktuell vor allem die „Equine rezidivierende Uveitis“ (kurz ERU). Unter den Synonymen „Periodische Augenentzündung“ oder „Mondblindheit“ ist sie für einige Pferdebesitzer der Inbegriff von wiederkehrenden, schmerzhaften Schüben und einem schubweisen oder plötzlichen Sehverlust. Diese Erkrankung des Auges zeigt bei den meisten Pferden gut sichtbare Symptome, vor allem das Zusammenkneifen des Auges, Tränenfluss, Rötung der Bindehaut, Lichtempfindlichkeit und Veränderungen der Pupille. Diese Form der Augenerkrankung steht auch im Verdacht, durch eine erbliche genetische Disposition vor allem bei gepunkteten oder gescheckten Pferden aufzutreten. Sie tritt aber ebenso bei Warmblütern, Isländern mit Sonderfarbe und Pferden mit anderen Erkrankungen auf, die für eine Immunschwäche sprechen (zum Beispiel Dämpfigkeit, Ekzem, wiederkehrender Pilzbefall). Oft wird die ERU auch durch eine Leptospireninfektion ausgelöst, die durch einen Test vom Tierarzt nachgewiesen werden kann.

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Blinde Pferde“ in Natural Horse 03/2018

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