Pferde und ihre Feinheit

von Bettina Löber

Foto: Christiane Slawik

Pferde haben eine sehr hohe Energie und schätzen Situationen blitzschnell und präzise ein. Deshalb reagieren sie auf uns Menschen und in ihrer Herde auch so fein. Wir können von dieser feinen Sprache der Resonanz, in der Pferde miteinander und – wenn möglich – mit uns kommunizieren, viel lernen. Vor allem lehren sie uns, alte Glaubenssätze und Verhaltensweisen in Bezug auf sie zu überdenken und gegebenenfalls über Bord zu werfen, um uns weiterzuentwickeln. Das löst auch einen sehr intensiven Prozess aus. Wahrnehmungen und Intuitionen werden gestärkt und wir bewegen uns wieder mehr zu uns selbst hin. Kommunikation durch Resonanz verändert das gesamte Zusammenleben und das Training mit Pferden.

Eine Zeit lang kam ich noch manchmal angefüllt mit einer Tat-Energie zu ihnen, die keine Widersprüche zuließ, sondern schon aus 200 Metern Entfernung verkündete: „Heute muss ich euch mal bewegen; es ist nicht gut, wenn ihr so viel herumsteht.“  Dann war ich im Trainermodus, und es wurde mal wieder gemacht, was ich wollte. Jedes Mal habe ich mich hinterher unwohl gefühlt, weil sich die feinen Bewegungsdialoge nicht einstellen wollten, die nur durch die Sprache der Resonanz entstehen. Inzwischen muss schon einiges passieren, um in mir noch Anwandlungen von „Ich muss dies, wir müssen das“ auszulösen. Die Sprache der Resonanz bewirkt, dass ich immer noch davon überzeugt bin, dass es bereichernd und wohltuend ist für meine Pferde, wenn ich „etwas mit ihnen mache“, aber ob, wann und wie entwickeln wir gemeinsam. Wie könnte ich auch gleichzeitig ihre Gefährtin sein wollen und mir dann anmaßen, dauernd zu bestimmen, was sie gerade brauchen?

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Sprache der Resonanz“ in Natural Horse 03/2018

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