ganzheitlich betrachtet

von Dr. Christina Fritz

Der Magen des Pferdes ist ein deutlich empfindlicheres Organ, als man bisher angenommen hat. Da aber Magenprobleme nur sehr selten mit deutlichen Symptomen wie Kolik einhergehen, wurde der Magen lange Zeit viel zu wenig beachtet. Dabei können dem Pferd viele Dinge auf den Magen schlagen: Von Raufutterpausen bis Dauerstress reichen die möglichen Ursachen, die letztlich sogar zu Magengeschwüren führen können.

Der Magen ist Teil des Verdauungstrakts und liegt zwischen dem Schlund, also der Speiseröhre des Pferdes, und dem Dünndarm. Das im Maul zerkaute Futter gelangt nach dem Abschlucken durch den Schlund in den Magen, der ziemlich zentral im Rumpf positioniert ist. Hier beginnt der enzymatische (= chemische) Aufschlussprozess des Futters, der dann später im Dünndarm fortgesetzt wird, damit die Nahrungs-bestandteile aufgenommen werden können. Der Magen des Pferdes ist eine einfache Erweiterung des Verdauungstrakts und damit nicht so komplex wie das Magensystem der Wiederkäuer. Er nimmt beim Pferd auch nur etwa 8,5 Prozent des Verdauungstrakts ein, bei der Kuh hingegen über 70 Prozent. Dennoch weiß man heute, dass der Verdauungsvorgang im Magen des Pferdes nicht mit dem ebenfalls einhöhligen Magen des Hundes vergleichbar ist.

Der Pferdemagen braucht ständig Futter

Die Besonderheit im Vergleich zu anderen Tierarten mit einhöhligem Magen liegt vor allem darin, dass Pferde Dauerfresser sind und daher – im Vergleich zum Mahlzeitenfresser – der Magen ständig „nachgefüllt“ werden muss. Sobald neues Futter in den Magen gelangt, wird reflektorisch eine kleine Portion an den Dünndarm weitergegeben. Das Futter wird dabei Stück für Stück durch den Magen geschoben und verbleibt verhältnismäßig kurz, normalerweise nur etwa 30 bis 90 Minuten, im Magen. Entsteht eine Futterpause, weil das Pferd beispielsweise in der Mittagshitze im Schatten döst, verlängert sich die Verweildauer im Magen auf bis zu zwei bis sechs Stunden. Dann wird der Magen entleert. Füttert man Pferde in zwei bis drei Mahlzeiten
täglich und provoziert damit ständig lange Fresspausen über vier Stunden, sorgt das unter anderem dafür, dass die Pferde das Futter extrem schnell schlingen, wenn es zur Verfügung steht, wodurch der leere Magen stark gedehnt wird. Gleichzeitig wird der Weitergabereflex nachhaltig gestört, da auf das Futterschlingen ja wieder eine lange Futterpause folgt. …

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Der Magen des Pferdes“ in Natural Horse Ausgabe 03/2019

Weitere Artikel in der gleichen Ausgabe