Wer beurteilt Pferde – und warum?

von Martin Haller

Beinahe jeder Mensch, der in irgendeiner Weise mit Pferden zu tun hat, beurteilt diese auch – oftmals ungebeten oder unbewusst. Das Abwägen von vermeintlichen Vor- und Nachteilen ist uns quasi in die Wiege gelegt und kann mitunter sogar zwanghaft wirken, wenn endlos über Nichtigkeiten diskutiert wird, die keine Leistungsrelevanz haben. Es genügt nun nicht, ein Pferd nach „groß oder klein, dick oder dünn, robust oder empfindlich“ zu beurteilen, das wäre lediglich eine Grobeinschätzung, die man als selbstverständlich voraussetzen darf. Will man dem Tier sein individuelles Lebensoptimum bieten, muss man schon etwas tiefer graben und sich mit seinen alt vererbten Eigenschaften befassen, die auf seine Stammeltern zurückgehen. Nach und nach kann man sich durch längeres, genaues Beobachten, durch Interpretation des Verhaltens und durch Analyse der gruppendynamischen Interaktionen ein viel kompletteres Bild eines Pferdes verschaffen als nur durch sture „Haltungsnoten“. Wer glaubt, ein Tier nach ein paar Minuten visueller Musterung, eventuell einem kurzen Ritt und einem Blick auf seine Abstammung völlig „erkannt“ zu haben, der irrt sich. Dem Kenner ist bewusst, dass er lediglich eine Momentaufnahme wiedergeben und interpretieren kann. Mit Sicherheit wissen kann man in kurzer Zeit gar nichts.

Wer ein Pferd wirklich „begreifen“ will, der muss es über Monate oder Jahre hinweg betreuen, mit ihm arbeiten und sollte seine Verwandten ebenfalls gut kennen, erst dann wird das Bild etwas vollständiger. Obwohl ein langes, intensives Zusammensein nur dem Besitzer und Reiter eines Pferdes möglich ist, kann auch die äußerliche Beurteilung hilfreich sein. „Falsche Pferde“ werden oft unsachgemäß gehalten, genutzt oder sogar unabsichtlich gequält. Das Vollblutpferd, soeben von der Rennbahn gekommen, fühlt sich, „robust gehalten“ auf der winterlichen Koppel bei Minusgraden, nicht automatisch wohl. …

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Passt mein Pferd zu mir?“ in Natural Horse Ausgabe 03/2019

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