Wenn die Luft wegbleibt

von Dr. Christina Fritz

Liest man veterinärmedizinische Bücher von vor 50  oder 100 Jahren, findet man immer wieder den Hinweis, dass Atemwegserkrankungen bei Pferden so gut  wie nicht vorkommen und sie in der Hinsicht sehr  robust seien. Geht man aber heute durch die Ställe, gibt es in praktisch jedem Stall mindestens ein Pferd, das chronisch hustet, manchmal ganze Pferdegruppen. Vor allem im Herbst, sobald das Wetter nasskalt wird, kommen akute Atemwegsinfekte hinzu, die leider allzu oft „hängen bleiben“, sodass aus einem akuten Infekthusten ein chronischer Husten oder eine Dämpfigkeit wird.

Dazu muss man klar sagen, dass die Luft in den Ställen früher nicht besser war, häufig ganz im Gegenteil. Die Ställe waren oft niedrig und mit kleinen Fenstern ausgestattet, um „die Wärme im Stall zu halten“, nicht zuletzt, damit das Tränkewasser nicht einfror. Die Pferde standen in dicken Matratzenstrohbetten, das Heu wurde oft aus hoch über den Köpfen hängenden Raufen gefüttert. Das waren alles andere als ideale Bedingungen für die Atemwege der Pferde. Was dabei oft vergessen wird, ist die Tatsache, dass die Pferde wirklich ausschließlich die Nacht in diesen Ställen verbracht haben. Tagsüber waren sie draußen und haben gearbeitet: im Geschirr vor dem Wagen oder dem Pflug oder unter dem Sattel. Sie waren nicht nur viel an der frischen Luft, sondern sie waren auch in Bewegung, was für eine tiefe Atmung und damit gute Ventilierung der unteren Lungenbereiche gesorgt hat. Diese körperliche Fitness und Förderung der Atmung ist es, was vielen Pferden heute fehlt. Und statt einer Erkältung ihren Lauf zu lassen und das Pferd hier beim Abhusten der Verschleimungen zu unterstützen, versuchen wir oft, den Husten möglichst schnell „wegzumachen“, was aus vielen akuten Erkältungsinfekten chronische Hustenerkrankungen macht. Die Atemwege – mehr als nur zwei Lungen Pferde können ausschließlich durch die Nüstern atmen, im Gegensatz zum Menschen oder Hund. Durch die Nüstern wird die Atemluft aufgenommen und zunächst durch die Nasennebenhöhlen geleitet.

Husten – keine Krankheit, sondern ein Symptom

Husten hat beim Pferd in der Regel eine von zwei Ursachen: Beim „produktiven Husten“ befindet sich etwas in den Atemwegen, das da raus entfernt werden soll, wie Schleim, Staub oder aspirierte Futteranteile beim hastigen Fressen von Kraftfutter. Deshalb wird ein Hustenreiz ausgelöst, um diese Fremdkörper schneller nach außen zu befördern. Dabei wird nicht immer etwas „ausgehustet“, manchmal wird Schleim auch nur hochgehustet und gleich wieder abgeschluckt. Dieser Husten ist vergleichbar mit unserem Husten, wenn wir uns räuspern, um Schleim schneller hochzuschieben, oder heftig husten, nachdem wir uns verschluckt haben, oder wenn wir einen schleimigen Erkältungshusten haben. …

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Atemwegserkrankungen“ in Natural Horse Ausgabe 03/2019

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