zu PferdeGerechtem Training

von Sandra Fencl

Jedes Pferd ist ein Individuum, das in seiner Art und nach seinem Charakter trainiert werden sollte. Dabei zählt die gute Zusammenarbeit mit dem Reiter als eine Grundvoraussetzung. Der Reiter oder auch der „Bodenarbeiter“ sollte wissen, wie er sein Pferd geistig und körperlich fördern kann. Erkennt er bei seinem Pferd die anatomischen und mentalen Eigenschaften und deutet sie richtig, wird ihm sein pferdischer Partner mit der Zeit gern folgen. Pferdegerecht Pferde zu trainieren bedeutet immer, Pfer-de individuell zu arbeiten und auf die individuellen körperlichen und psychischen Eigenheiten eines Pferdes einzugehen. Ein Araber mit geraden Hinterbeinen und flacher Kruppe wird sich in der versammelnden Arbeit – von seiner körperlichen Leistungsfähigkeit her – grundsätzlich deutlich schwerer tun als ein perfekt gebauter Lusitano.

Das Exterieur des Pferdes analysieren

Der nächste Punkt ist so zu verstehen, dass sich auch das Exterieur auf die Leistungsfähigkeit und die Talente des Pferdes auswirkt. Hier ein paar Beispiele: Ein großer, schwerer Kopf mit wenig Ganaschenfreiheit oder aber ein schwerer, dicker, tief angesetzter Hals wird das Pferd von Natur aus (noch) vorhandlastiger machen als ein mittel-langer, sich nach oben verjüngender, gut angesetzter Reit-pferdehals mit feinem Genick und ausreichend Ganaschen-freiheit. Außerdem haben nicht „optimal“ gebaute Pferde deutlich mehr Mühe, korrekt durchs Genick zu gehen, sich richtig zu stellen und in weiterer Folge zu biegen. Ein kurzer Rücken ist an und für sich tragkräftiger und sta-biler als ein langer Rücken, kommt aber deutlich schwerer in Schwingung und kann daher auch viel leichter „fest“ und verspannt sein als ein langer Rücken. Ein langer Rücken wiederum schwingt leichter, kann aber bei wenig aktiver Hinterhand vom Pferd auch schnell ohne positive Grund-spannung verwendet werden. Das heißt, das Pferd lässt den Rumpf einfach „durchfallen“, bei fehlender Aktivi-tät der Bauchmuskulatur und bei gestrecktem Becken. Ein „abgesackter“ Rumpf und Rücken sind genauso schädlich wie ein negativ verspanntes Pferd, das aktiv den Rücken nach unten drückt. Nur leider erkennen viele Reiter (und sogar Trainer) die „Dramatik“ des entspannt vor sich hin laufenden Pferdes nicht. Oberflächlich gesehen sieht der Vierbeiner sehr zufrieden aus. Biomechanisch gesehen nähern sich aber auch hier die Dornfortsätze der Rücken-wirbel an und die Oberlinie „verkürzt“ sich. Als Folge wird sich der Rücken langfristig verspannen und schmerzen. …

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Mit bedachter Aufmerksamkeit“ in Natural Horse Ausgabe 03/2019

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