Achtsam dem Leben gegenüber

Gedanken von Tina Jahns

Foto: Jan Daniel Carpentier

Foto: Jan Daniel Carpentier

Obwohl wir noch nicht einmal im Stall angekommen sind, haben wir eine genaue Vorstellung davon, was gemacht wird. Kaum ist der Motor aus, springen wir aus dem Auto, laufen zügig Richtung Stall. Unterwegs werden noch die neuesten Mitteilungen auf dem Handy gecheckt. Ein fixer Handgriff, schon sind wir mit Führstrick und Putzkiste gewappnet und auf dem Weg, um unser Pferd von der Koppel zu holen. Die Karotte zur Sicherheit in der Jackentasche, falls unser vierbeiniger Freund mal wieder keine Lust zum Arbeiten hat. Am Putzplatz treffen wir eine befreundete Einstellerin, die gerade mit ihrem Pferd am Aufbrechen ist, und wir schließen uns ihr spontan nach einigen hastigen Striegelstrichen an – ein kurzweiliger Ausflug. Wir reden vielleicht über die Arbeit, lästern über die Neue im Stall und erzählen uns von den Plänen am Wochenende. Mittlerweile zieht die abendliche Kühle auf, Hunger haben wir nach einem langen Tag außerdem; Zeit nach Hause zu gehen. Nur noch schnell aufräumen, das Müsli in den Trog schütten und ein Selfie mit unserem Pferd zum Abschied.

Kontakt oder Herzensbindung?

Zu Hause sehen wir uns das gemeinsame Bild noch einmal an und stellen traurig fest, dass dieser kurze Zeitraum der einzige Moment war, in dem wir tatsächlich Kontakt zueinander hatten. Fehlt uns die tiefe Gewissheit, echten Kontakt zu unserem Pferd zu haben, obwohl wir so viel Zeit zusammen verbringen? Was bedeutet das eigentlich, Kontakt zueinander haben? Kontakt, so heißt es, ist die schlichte Folge einer sozialen Beziehung und baut sich im wechselseitigen Verständnis zueinander auf. Pferde bauen anders als wir Menschen den Kontakt auf – nahezu im Stillen, wobei die Bedeutung dessen für sie weitaus elementarer ist. Als hoch soziale Lebewesen können sie für uns großartige Lehrmeister sein, Beziehungen durch kleinste Regungen zu knüpfen und wahrhaftige Begegnungen zu erleben. Sie warten nur darauf, dass wir uns ihnen neugierig und mit offenem Herzen zuwenden, um uns mitzunehmen in ihre Welt der stillen Kommunikation, wie ich sie nenne. Also machen wir uns auf zu einer experimentellen Reise, die nicht nur unsere Sinne beflügeln wird …

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Kostbare Zeit mit Freund Pferd“ in Natural Horse 04/2016

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