… erwartungslos zur Seele des Pferdes

von Ulrike Dietmann

Foto: Martina Kiss

Es war ein langer Weg für mich zu verstehen, was Loslassen wirklich bedeutet – bei Pferden. Die Pferde haben es mir immer wieder gezeigt, dass ich zu schnell zu viel verlange. Ich habe nicht verstanden, dass nicht nur ein Gebiss, eine zu scharfe Hilfe oder eine zu enge Box Druck und Zwang auf das Pferd ausüben, sondern schon ein Gedanke, der zu viel fordert. Als ich anfing, mir das genauer anzuschauen, wurde mir bewusst, dass ich voller Zwänge bin, andere zu kontrollieren, mich zu kontrollieren. Dass ich selbst nicht frei bin. Wie kann ich da ein Pferd frei sein lassen? Auch wenn mein Kopf schon lange sagte: „Ich möchte kein Pferd unterwerfen. Ich möchte keinem Pferd Gewalt antun. Ich möchte, dass mein Pferd sich frei bewegen kann.“ Letztlich half es nicht viel, dass ich das Richtige dachte. Ich musste es fühlen und ich musste es vor allem in meinem Körper fühlen. Ich musste all die Reaktionsmuster in meinem Körper auflösen, die unbewusst abliefen, wenn ich ritt, wenn ich ein Pferd longierte oder auch nur führte.

Durch Wiederholung zu Frust

Ich erzähle ein Beispiel: Ich arbeitete mit meiner Reitlehrerin daran, meine Stute an einer bestimmten Stelle anzugaloppieren. Meine Hilfen kamen nicht durch, ich verstärkte die Hilfen, schließlich galoppierte sie, aber eben zu spät. Was passierte dann? Ich wiederholte die Übung. So habe ich schließlich auch das Klavierspielen gelernt: endlose Wiederholungen. Das, was man Training nennt. Der zweite Versuch gestaltete sich ganz gut. Der dritte nicht gut. Der vierte eine Katastrophe. Ich merkte, dass meine Konzentration nachließ. Aber man gibt ja nicht auf. Jetzt erst recht. Meine Reitlehrerin holte mich in die Mitte des Platzes und sagte: „Dein Pferd ist frustriert.“ Ich fiel aus allen Wolken, denn ich hatte das Pferd vollkommen vergessen. Es war für mich zu einer Maschine geworden, die ich irgendwie zum Funktionieren bringen wollte. …

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Durch Loslassen zur Freiheit …“ in  Natural Horse Ausgabe 04/2018

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