von Maren Diehl

Der Pferderücken …

Foto: Franziska Hoffmann

Foto: Franziska Hoffmann

… ist für das Pferd zum einen die Bewegungszentrale und zum anderen der Körperteil, den es dem Reitergewicht entgegensetzen muss. Ein Pferd ist mechanisch/statisch nicht so konstruiert, dass ein Pferd von bestimmter Größe ein bestimmtes Gewicht tragen könnte. Wenn dem so wäre, gäbe es nicht so viele kerngesunde Shettys und so viele trageerschöpfte Großpferde. Der Zusammenhang ist ein anderer. Die Tragkraft des Pferdes setzt sich zusammen aus der Stabilität des Fundaments, aus den Ergebnissen des Trainings, der Vorstellung des Pferdes von seiner Aufgabe und seiner Arbeitsfreude. Beginnen möchte ich mit der Vorstellung des Pferdes von seiner Aufgabe, denn hier werden die Weichen gestellt:

Form und Funktion

Uns Menschen hilft es, sich zu diesem Zweck den Unterschied zwischen den Begriffen Form und Funktion klarzumachen. Ein Pferd, das sich gut bewegen und tragen kann, präsentiert sich nahezu immer in einer ansprechenden, harmonischen Form. Leider ist die Folgerung, man müsse nur die richtige Form herstellen, damit das Pferd auch funktioniert, ein Trugschluss. Formdenken ist meistens statisches Denken, orientiert sich an den Endpositionen in Bewegungsabläufen und kommt mit Bewegung generell nicht gut zurecht. Die Orientierung an Bildern und Haltungen gehört in den Bereich der linken Gehirnhälfte und zerstört die Bewegungsidee der rechten Gehirnhälfte, die für Ganzheitlichkeit zuständig ist. Ein auf Form trainiertes Pferd wird nie echte Körperintelligenz, funktionale Körpereinheit, Tragkraft und Ausdauer entwickeln. Um einen Reiter tragen zu können, muss das Pferd sich zuerst die Funktion des Tragens erarbeiten dürfen. Der Reiter sitzt zwar auf dem recht übersichtlichen Pferderücken, die Tragkraft entwickelt sich jedoch nicht aus einer statischen Stabilisierung des Rückens, sondern aus einer im Verhältnis zum ungerittenen Pferd veränderten Ausrichtung der Kraft.

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Lebendige Biomechanik aus der Sicht des Pferdes“ in Natural Horse 3/2015

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