Foto: Maksida Vogt

Foto: Maksida Vogt

Erst wenn ich auf gleicher Augenhöhe mit dem Pferd kommunizieren kann – erst dann werde ich die unverfälschte Botschaft empfangen können. Erst dann wird mein Geist so offen sein, um das sehen zu können, was das Pferd tatsächlich zu mir spricht. Das Pferd spricht zu mir dann, wenn ich ihm die Möglichkeit dazu gebe.
Das alles ist wichtig, um zu verstehen und in sich zu klären, erst sich selbst zu finden, wenn man mit dem Pferd auf der Basis des freien Willens, auf der Basis einer richtigen Freundschaft arbeiten möchte. Es bedeutet manchmal sehr viel Kampf mit dem eigenen Ego und den eingefahrenen Bildern in unserem Kopf. Es hängt davon ab, wo wir uns selbst in unserer Entwicklung befinden, es hängt von unserer Umgebung ab und wie gefestigt wir als Persönlichkeit sind. Wenn mich alle auslachen, weil mein Pferd plötzlich nicht mehr gehorcht – werde ich mich sofort wieder anpassen oder gehe ich meinen Weg weiter? Wie selbstsicher bin ich? Was traue ich mir selbst zu? Es hängt von mir ab, mein Pferd spiegelt mich nur in dem Augenblick. Je nachdem, wo sich Mensch und Pferd in ihrer individuellen Beziehung befinden, geht es spielend leicht oder eben schwierig. Das sieht man dann in den verschiedenen Mensch-Pferd-Paaren. In einem Fall entscheidet sich der Mensch, den neuen Weg zu gehen, und das Pferd macht sofort mit, wird zu einem Traumpartner, zu einem wahren Lehrer – das komplette Leben ändert sich, man schwebt zusammen auf Wolke sieben. Dieser Zustand tritt ein, wenn die Beziehung und das Verständnis zwischen Mensch und Pferd schon fortgeschritten sind. In dem Moment legt man praktisch den Schalter um (von dem traditionellen Umgang mit dem Pferd auf die Freundschaft) und die ganze Vielfalt und Tiefe dieser Beziehung kommt zum Vorschein. Im anderen Fall haben wir das Gegenteil. Der Mensch hat das Pferd zu lange unterdrückt, zu viele Wunden sind offen, zu viel Schmerz wurde zugefügt, der Mensch befindet sich immer noch im Zweifel oder kann sich von den alten Mustern nicht lösen. Das Pferd aber darf seine Gefühle und Gedanken endlich zeigen, der Konflikt wird sichtbar. In diesem Fall kann der Mensch meist nicht loslassen, er hat vielleicht rationell, aber noch nicht emotionell verstanden; das Pferd wird zu einem harten Spiegelbild. Es bleibt so lange, bis der Mensch den Weg findet, in sich diese Sachen zu lösen, und auf einmal spiegelt das Pferd etwas anderes. Dann hat sich alles gelohnt, um dieses Geschenk vom eigenen Pferd zu erleben.

… lesen Sie mehr im Artikel „Pferdetraining auf Basis des freien Willens“ in Natural Horse Heft 4

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