Wassergewöhnung leicht gemacht

von Nina Steigerwald

Der wohltuende Effekt einer Dusche zum Entfernen von Schweiß oder das Kühlen eines Beines sollte für den Besitzer keine schweißtreibende Angelegenheit sein, ist es in der Realität aber leider oft. Bei man-chen Parasitenmitteln muss sogar das ganze Pferd gewaschen werden; ein Hufbad erleichtert dem Schmied die Bearbeitung der Hufe im Sommer ungemein und so manche Wunde sollte gründlich gespült werden können. Schauen wir uns die Anwendung von Wasser auf dem Pferdekörper unter dem Gesichtspunkt der Reizvielfalt an, haben wir Verschiedenes, was einzeln trainiert werden kann und je nach Pferd auch entsprechend kleinschrittig angegangen werden sollte.

Der stärkste Reiz ist der auf der Haut Ihres Pferdes. Wenn man bedenkt, dass viele Pferde extra den eingestreuten Bereich im Stall oder Paddock aufsuchen, um zu vermeiden, dass der Urin an die Beine spritzt, wird schnell klar, dass Flüssigkeit auf der Haut nicht immer angenehm ist. Dagegen gibt es die große Zahl der Offenstallpferde, die sich trotz eines geräumigen Unterstandes lieber in den Regen stellen. Vorlieben und Abneigungen sind wie immer höchst individuell verteilt. Nass werden, weil etwas aus den Wolken kommt, oder mit dem Schlauch abgespritzt werden sind auf jeden Fall oft zwei Paar Schuhe. Ein weiterer ernst zu nehmender Faktor ist das Plätschergeräusch, wenn Wasser auf den Boden trifft. Nicht umsonst werden Rasensprenger auf einer Plastikplane bei anspruchsvollen Trails als zu bewältigende Aufgabe eingesetzt. Pferde können darauf sehr abwehrend beziehungsweise mit Flucht reagieren. Sie sollten auch berücksichtigen, dass das Geräusch ein erlernter Ankündiger für eine unangenehme Konsequenz sein kann. Die Information „Plätschern“ bedeutet für Ihr Pferd, dass bei dem Verhalten des Stillstehens die Konsequenz des Nasswerdens folgt. Wenn Ihr Pferd das nicht mag, wird allein schon das Plätschern entsprechendes Meideverhalten wie zum Beispiel Zurückweichen nach sich ziehen. Schlangen können lebensgefährlich sein und ein sich auf dem Boden windender langer Gegenstand, der sich auf ein Pferd zubewegt, stellt in den Augen manchen Pferdes eine ernste Gefahr dar. Sie sollten also diesen optischen Reiz separat trainieren. Hinzukommen kann wie beim Geräusch auch die Verknüpfung des Wasserschlauchs mit der unangenehmen Konsequenz von spritzendem Wasser. Also entfernt sich das Pferd lieber schon beim Anblick der vermeintlichen Bedrohung. …

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „H 2 Oh, mein Pferd ist weg!“ in Natural Horse Ausgabe 02/2021

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