Fittes Gehirn = besseres Reiten!

von Claudia Butry

Natural Horse 35 03-2021 Denk mal neuro! Seit relativ kurzer Zeit macht in nahezu allen Sport­arten das neurozentrierte Training unter dem Stich­wort Neuroathletik von sich Reden. Skispringer, Leichtathleten und zunehmend auch Reiter nutzen dieses Gehirntraining, um ihre Leistungen zu opti­mieren, Bewegungen besser ausführen zu können und ihre Koordination weiter zuentwickeln. Denn: Bewegung wird im Kopf ausgelöst und kontrolliert. Vom neurozentrierten Trainingsansatz können sowohl Reiter als auch Pferde profitieren.

Grundsätzlich geht es bei der Neuroathletik erst einmal darum, die Kommunikation zwischen Nervensystem und Bewegungsapparat zu verbessern. Unser Gehirn steuert Bewegungen nicht nur, sondern korrigiert sie auch. Wir Reiter wünschen uns einen harmonischen Dialog mit dem Pferd, einen Tanz zweier Lebewesen mit feinsten Hilfen und eine echte Partnerschaft. Das gelingt beim gemeinsamen Ritt nur, wenn der Reiter über einen geschmeidigen und ausbalancierten Sitz verfügt, der ihm erlaubt, mit leichtesten Hinweisen auf sein Pferd einzuwirken. Nur dann kann man von einem pferdegerechten, respektvollen und achtsamen gemeinsamen Sichbewegen unter dem Sattel sprechen. Um zu verstehen, inwieweit uns ein Gehirntraining dabei helfen kann, ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, was eigentlich die wichtigste Aufgabe unserer Steuerungszentrale ist.

Wofür ist das visuelle System beim Reiten wichtig?

Unser Sehsystem liefert uns essenzielle Informationen über unsere Umwelt und koordiniert nahezu alle unsere Bewegungen. Über 30 Hirnareale sind an der Aufnahme, Verarbeitung und Auswertung der visuellen Informationen beteiligt. Es liegt auf der Hand, dass für einen guten Ritt eine gute Orientierungsfähigkeit von enormer Wichtigkeit ist. Auch bei der Arbeit am Boden oder an der Longe ist es für eine gute Kommunikation mit dem Pferd hilfreich, sich gut im Raum orientieren zu können und die gewünschte Linie zu sehen.

Das sorgt für mehr Klarheit und Struktur. Zu den wichtigsten visuellen Fähigkeiten gehören die Wahrnehmung von Schärfe und Tiefenschärfe, Augenbewegungen und peripheres Sehen:

• Kann ich scharf sehen bei viel oder wenig Licht?
• Bei sich bewegenden Objekten?
• Wie ist es um die Schärfe in Bewegung bestellt?
• Kann ich auch auf Entfernung einschätzen, in welchem Abstand etwas passiert (Tiefenschärfe)?
• Sind meine Augen in der Lage, visuelle Ziele zu verfolgen?
• Bin ich in der Lage, Dinge zu sehen, die ich gerade nicht fokussiere (periphere Wahrnehmung)? Das ist essenziell, um Gefahren frühzeitig zu erkennen. …

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Denk mal neuro!“ in Natural Horse Ausgabe 03/2021

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