Einladung in den Jungpferdesattel

von Dr. Tuuli Tietze

Foto: Markus Schendzielorz/ SMARTreiten

Nach der Gewöhnung an Trense, Sattel und Longe heißt es meist recht bald „Ab in den Sattel!“ Denn das Geritten werden erlernt das Jungpferd am besten unter dem Reiter – oder nicht? Was gängige Praxis ist, ist wenig pferdegerecht, denn in der DNA des Fluchttiers Pferd ist das innere Bild eines Raubtiers auf dem Rücken tief verwurzelt: Hier herrscht gefühlt Todesgefahr! Steigen wir allzu rasch in den Sattel, müssen wir gegen diesen Fluchtinstinkt anreiten – Stress vorprogrammiert. Ergreifen wir hingegen vorab vertrauensbildende Maßnahmen auf Augenhöhe, wird das Pferd uns nicht nur die Erlaubnis erteilen, sondern uns regelrecht in seinen Sattel einladen, sobald die Zeit dafür reif ist.

Erzieh dein Pferd zur Selbstständigkeit innerhalb definierter Grenzen

Es gilt deshalb, in der Ausbildung unseres Jungpferdes eine ausgewogene Balance zu wahren zwischen konkreten Vorgaben und Freiraum zu selbstständiger Mitarbeit, zwischen klaren Grenzen und  Motivation zu Eigendynamik. Und diese Balance beginnt bereits zu Fuß. Denn hier können wir  künftige Reiter uns dem Pferd als friedvolle Partner beweisen, noch bevor wir uns in die potenziell angstbehaftete Reitposition schwingen. Damit nehmen wir ihm die Bedenken und sorgen zugleich für unsere Sicherheit: Wir steigen erst in den Sattel, nachdem unser Pferd uns seinerseits bewiesen hat, dass wir ihm vertrauen können.

Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel „Das erste Mal“ in Natural Horse 02/2017

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