Das Thema Würmer beim Pferd wird seit ein paar Jahren heiß diskutiert. Da stehen die Befürworter der prophylaktischen Entwurmung denen der selektiven gegenüber. Die einen behaupten, Kotproben seien nicht zuverlässig, die anderen sagen, dass die vielen Wurmkuren die Pferde vergiften. Dazwischen werden dem verunsicherten Pferdebesitzer immer mehr naturheilkundliche Alternativen angeboten. Natürlich möchte kein Pferdebesitzer, dass sein Pferd wahlweise an Würmern oder an der Wurmkur eingeht. So steht er inmitten der streitenden Meute von Fachleuten und fragt sich verzweifelt, was richtig ist. Dänische Pferdebesitzer haben es einfacher: Hier ist die prophylaktische Entwurmung verboten. Eine klare Aussage. Genauso wie beim Impfen wird auch bei Würmern mit viel Halbwissen gehandelt. Aber: Das Ökosystem Pferdekörper ist nun mal ein bisschen komplizierter zu sehen. Ja, Würmer können auf ihren Wanderungen durch den Körper massive Schäden verursachen und auch ein Pferd töten, z. B. durch Kolik, innere Blutungen oder Organschäden. Nein, eine Wurmkur schützt nicht automatisch vor Parasitenbefall. Sowohl selektives als auch prophylaktisches Entwurmen senkt nur die Wahrscheinlichkeit, dass ein Pferd in Folge eines Befalls erkrankt. Aber diese Wahrscheinlichkeit sinkt auch durch naturheilkundliche Maßnahmen, Stall- und Heidehygiene und eine artgerechte Fütterung.

Wurmkuren schützen nicht

Langzeitstudien haben gezeigt, dass Pferde nicht automatisch an Würmern erkranken – also genau das Gegenteil der bisherigen medizinischen Lehrmeinung. In solchen Studien konnte gezeigt werden, dass ein vitales Pferd mit einem stabilen Darm und einem gesunden Immunsystem üblicherweise auch einen stabil niedrigen bis keinen Wurmbefall zeigt. Erst Störungen im System wie Futterumstellung, Stallwechsel oder andere Stressfaktoren erhöhen das Risiko für einen Wurmbefall. Bei Wurmkuren kommt dazu, dass die Wirkstoffe für den Stoffwechsel des Pferdes keine Bonbons sind. Wie bei Antibiotika sind wir natürlich froh, dass es diese Wirkstoffe gibt: Sie können Leben retten! Aber wer von Ihnen nimmt zweimal im Jahr prophylaktisch Antibiotika? Resistenzen und Stoffwechselbelastung sind die Folgen. Diese erhöhen wieder das Risiko für einen Wurmbefall – ein Teufelskreis. Es sollte einem vielleicht auch zu denken geben, dass sich in der Natur zwischen Wirt und Parasit in der Regel ein Gleichgewicht einstellt. Der Parasit hat keinen Nutzen davon, seinen Wirt möglichst schnell umzubringen: Da gehen ihm schnell die Wirte aus. Und ein moderater Wurmbefall senkt nachweislich das Allergierisiko. Vielleicht sind die Würmer ja doch nicht so schlecht wie ihr Ruf? Denken Sie darüber nach!

Christina Fritz studierte Biologie mit anschließender Promotion. Nach vielen Aus- und Weiterbildungen im alternativtherapeutischen Bereich führt sie seit über zehn Jahren eine Praxis für integrierte Pferdetherapie. Darüber hinaus hält sie Vorträge und Fortbildungen über artgerechte Pferdefütterung und -haltung.

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