Der Fellwechsel ist für das Pferd weit mehr als ein äußerlicher Vorgang. Er stellt eine tiefgreifende Umstellung dar, bei der Hormonsystem, Stoffwechsel und Immunsystem eng zusammenarbeiten. Millionen Haarfollikel reagieren synchron auf Veränderungen der Tageslichtlänge und leiten den Übergang vom Winter- zum Sommerfell ein. Für gesunde Pferde ist dieser Prozess anstrengend, verläuft jedoch meist problemlos. Bei manchen Tieren wird der Fellwechsel jedoch zur Belastung und liefert wertvolle Hinweise auf innere Erkrankungen.

Cushing Fell – ein Zeichen hormoneller Imbalance. Foto: Ochoko
Medizinisch betrachtet wird der Fellwechsel hormonell gesteuert. Sinkende Melatoninspiegel im Frühjahr, Schilddrüsenhormone und das Stresshormon Cortisol beeinflussen die Aktivität der Haarfollikel. Gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht – etwa durch chronischen Stress, Schmerzen oder Stoffwechselstörungen – verläuft der Haarwechsel verzögert oder unvollständig. Auch Leber und Nieren sind stark gefordert, da sie Energie, Eiweiße und Spurenelemente bereitstellen und Stoffwechselprodukte abbauen.
Schon im Winterfell können erste Warnsignale sichtbar werden. Ein stumpfes, struppiges oder glanzloses Haarkleid deutet häufig auf Nährstoffmängel oder eine Leberbelastung hin. Ungleichmäßiges Haarwachstum, Kahlstellen oder verbliebene Sommerhaare gelten als mögliche Frühzeichen hormoneller Erkrankungen wie dem Cushing-Syndrom. Diese Beobachtungen ersetzen keine Diagnose, zeigen aber, dass der Organismus Schwierigkeiten hat, seinen natürlichen Rhythmus einzuhalten.
Ein gewisser Leistungsabfall während des Fellwechsels ist normal. Hält Müdigkeit jedoch länger an oder geht mit weiteren Symptomen einher, sollte genauer hingesehen werden. Ursachen können Anämien, endokrine Erkrankungen, chronische Infektionen oder Herz-Kreislauf-Probleme sein. Besonders Eisenmangel fällt in dieser Phase auf, da der erhöhte Sauerstoffbedarf nicht ausreichend gedeckt wird. Ein Blutbild liefert hier wichtige Hinweise.
Auch Haut und Fell spiegeln den inneren Gesundheitszustand wider. Während des Fellwechsels ist die Haut stärker durchblutet und anfälliger für Störungen des Mikrobioms. Pilzinfektionen, Mauke oder Parasiten treten vermehrt auf und zeigen eine geschwächte Immunabwehr an. Ältere Pferde sind besonders sensibel: Altersbedingte Organveränderungen, allen voran hormonelle Erkrankungen, werden im Fellwechsel oft erstmals deutlich sichtbar.
Der Fellwechsel ist damit ein natürlicher Prozess, aber zugleich ein Stresstest für den gesamten Organismus. Wer sein Pferd in dieser Zeit aufmerksam beobachtet, kann frühe Warnzeichen erkennen und rechtzeitig unterstützen. So wird der Fellwechsel nicht nur zur Herausforderung, sondern auch zu einer wertvollen Chance, die Gesundheit des Pferdes ganzheitlich zu beurteilen und gezielt zu fördern.
Die Autorin Dr. Elena Ochoko ist Ärztin Dozentin und Gründerin des Lehrinstituts Craniodynamik. Neben ihrer ärztlichen Tätigkeit arberitet Sie auch als Pferdetherapeutin. Sie leben im Allgäu.
Dies ist eine KI-generierte Zusammenfassung. den Vollartikel findest du in Natural Horse 61
