Wie Pferde uns (er-)tragen

Von Jenny Becker.

In der Beziehung zwischen Mensch und Pferd wirken beide Seiten aufeinander ein. Pferde reagieren besonders sensibel auf Körpersprache, Anspannung und Veränderungen in ihrer Umgebung. Dadurch können sie zum Resonanzboden für menschliche Emotionen werden und Verhaltensweisen zeigen, die auf Spannungen im gemeinsamen System hinweisen.

Das Pferd als Symptomträger

Das Konzept des „Symptomträgers“ stammt aus der systemischen Psychologie. Es beschreibt, wie ein Mitglied eines sozialen Systems stellvertretend auf Konflikte oder Belastungen reagiert. Übertragen auf die Mensch-Pferd-Beziehung bedeutet das: Innere Unruhe, Unsicherheit oder Stress des Menschen können sich im Verhalten des Pferdes widerspiegeln.

Warum Pferde so fein auf uns reagieren

Dafür gibt es verschiedene biologische Erklärungsansätze. Pferde nehmen feinste Veränderungen in Körperhaltung, Muskelspannung und Mimik wahr. Auch Gerüche spielen eine Rolle, denn Stress verändert unter anderem die chemischen Signale, die der Körper abgibt. Zudem können sich Herzrhythmus und autonome Nervensysteme von Lebewesen in enger Interaktion gegenseitig beeinflussen.

Flight, Fight, Freeze oder Fawn

Im Alltag kann sich diese sensible Wahrnehmung unterschiedlich zeigen: Ein Pferd wird plötzlich schreckhaft, widersetzt sich, erstarrt oder sucht auffällig Kontakt. Solche Reaktionen lassen sich den vier Stressmustern Flight, Fight, Freeze und Fawn zuordnen. Ihre Ursache liegt jedoch nicht zwangsläufig beim Menschen. Haltung, Gesundheit, Training und frühere Erfahrungen des Pferdes müssen immer mitberücksichtigt werden.

Verantwortung beginnt beim Menschen

Die Verantwortung des Menschen besteht deshalb zunächst darin, für artgerechte Haltung, Bewegung, Sozialkontakte und einen pferdegerechten Umgang zu sorgen. Bleiben bestimmte Muster bestehen, kann zusätzlich Selbstreflexion hilfreich sein: Wie fühle ich mich gerade? Bin ich angespannt, erschöpft oder innerlich abwesend?

Ein kurzer Check-in mit sich selbst

Ein kurzer Check-in vor dem Kontakt mit dem Pferd kann helfen, den eigenen Zustand bewusst wahrzunehmen. Wer die eigenen Gefühle erkennt und Verantwortung für sie übernimmt, begegnet dem Pferd klarer und authentischer.

Damit das Pferd Pferd sein darf

So wird das Pferd nicht zum Projektionsobjekt für menschliche Probleme, sondern zu einem sensiblen Beziehungspartner. Eine achtsame Beobachtung beider Seiten kann neue Wege eröffnen – mit dem Ziel, dass der Mensch seine Belastungen selbst trägt und das Tier vor allem eines sein darf: Pferd.

Foto: Christiane Slawik

Dies ist eine KI-gestützte Zusammenfassung des Artikels. Den ganzen Artikel kannst du in der Natural Horse 64 lesen.

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